100 Jahre kfd St. Elisabeth Bergkamen
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100 Jahre
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kfd von St. Elisabeth feiert ihr 100-jähriges
Festhochamt mit Fahnenweihe nebst buntem Programm

Bergkamen  Als vor mehr als einhundert Jahren auch im östlichen Ruhrgebiet industriell geprägte Ansiedlungen entstanden, gründeten sich dort schon bald die heutigen Kirchengemeinden und in ihnen die kirchlichen Vereine. Zwei Jahre nach Gründung von St. Elisabeth schrieb Pfarrer Wiemeyer in die Chronik: „Unsere junge Gemeinde St. Elisabeth zeigt ihre ersten Blüten.“

„Es entstand der Elisabeth-Verein, der später den Namen Mütterverein erhielt und heute Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) heißt“, wie Pfarrer Ulf Doppelfeld in seiner Begrüßung zum Festgottesdienst feststellte. Mehr über ihre bewegte Geschichte ist in der gelungenen Chronik der kfd St. Elisabeth nachzulesen, die rechtzeitig von Heinz Funke zum Jubiläum fertiggestellt wurde und jetzt im Pfarrbüro erhältlich ist. Eine Überraschung hatte der Pfarrer dann am Schluß seiner Einleitung parat: „Als Dankeschön an alle Frauen der kfd St. Elisabeth, für die Zeit, für die Energie und für die Phantasie, die sie aufbringen, um für Frauen eine Gemeinschaft möglich zu machen, und für die ich seit 25 Jahren als Pfarrer und Präses mitwirken darf, möchte ich unserer Frauengemeinschaft die neue Fahne schenken, die ich nach der Predigt auch weihen werde. Auf der Fahne sehen Sie die Hochzeit der Elisabeth mit dem Landgrafen Ludwig von Thüringen. Es ist ein Ausschnitt aus dem schönen Intarsien-Mosaik im großen Saal des Elisabeth-Hauses. Und wenn sie genau hinschauen, können sie auch den Stifter erkennen: Das doppelte Feld und zwei Ähren („Doppelfeld") im Schild des Landgrafen!“

Zu dem Festhochamt, das Pfarrer Ulf Doppelfeld zusammen mit Pastor Johannes Lukaszczyk und Pastor Bruno Chrascina konzelebrierte, waren Abordnungen der befreundeten kfd’s zum Teil mit ihren Vereinsfahnen gekommen, ebenso vom Hedwigkreis, von der KAB, von den Frauenhilfen der umliegenden evangelischen Gemeinden und viele mehr. An einer Plakatwand waren dann die vielen Grußworte nachzulesen, die aus Zeitgründen nicht verlesen wurden.

Nach dem Festhochamt erwartete die Gäste ein Sektempfang im Elisabeth-Haus. Das sich anschließende Kaffeetrinken mit vielen Torten und Kuchen und brachte erst einmal eine gemütliche Atmosphäre in das randvoll gefüllte Elisabeth-Haus. Bea Nyga, musikalisches Multitalent aus Köln, die zuvor in der Kirche unter Begleitung des Organisten Sebastian Söder ein gefühlvolles Querflötensoli dargeboten hatte, wechselte im großen Saal des Elisabeth-Hauses nun zu dezentem Pianospiel über.

Eine Bildergalerie mit alten Fotos im Foyer des Elisabeth-Hauses fesselte unterdessen die eintreffenden Gäste: darunter Bilder von einem Ausflug der jungen Frauen mit Pfarrer Schulte, von den Kochfrauen einer früheren Jugendfreizeit, eines Ausflugs nach Bad Pyrmont und auch ein Bild von der ersten Fahnenweihe der kfd, doch diese Rückschau sollte an dem Jubiläumstag nicht die einzige sein.

Denn einige tiefergehende Gedanken zur Vergangenheit und der Zukunft der kfd hatte sich Christa Mertens, geistliche Begleiterin vom Diözesanverband Paderborn in ihrer Festansprache über die hundert Jahre kfd St. Elisabeth gemacht: damals vor 100 Jahren gehörte noch viel Mut zur Gründung einer „Bruderschaft christlicher Mütter“, wie die kfd bei ihrer Gründung noch offiziell genannt wurde. Über all die Jahre wurde viel Freud und Leid geteilt. Doch auch in der kfd könne nicht alles wie früher bleiben. „Wir leben ja auch nicht wie früher!“ Erneuerung der kfd bedeute, ausgetretene Pfade zu verlassen und Mut zum Querdenken zu haben: sensibel und offen zu sein für vieles, anderes und andere zu akzeptieren, auf menschliche Bedürfnisse von Frauen einzugehen und zu einer inneren Größe, Weite und damit auch zu einer inneren Freiheit zu gelangen.

Lange Zeit hatten die Frauen im kfd Vorstand nach einem besonderen unterhaltsamen Programmpunkt gesucht, der ein buntes musikalisches Potpourri und ein geschichtlicher Rückblick zugleich sein sollte. Mit Hilfe von Bea Nyga ist dies denn auch vortrefflich gelungen: Zustandegekommen ist eine musikalische Zeitreise über hundert Jahre kfd St. Elisabeth, eingebunden in die Geschehnisse in der Welt.

Gleich zur Einstimmung intonierte Bea Nyga ein bißchen provokativ und emanzipiert „Die Männer sind alle Verbrecher“. Doch damit traf sie sogleich den Geschmack der anwesenden Damen. So gut wie alle Stücke wurden dann auch begeistert mitgesungen. Im Wechsel mit Marion Kleine, Cäcilia Andrzejewski und Gabriele Brennecke, die in Texten die Weltgeschichte, die Verbandsgeschichte und die Geschichte der eigenen kfd vortrugen, spielte Bea Nyga das entsprechende Stück musikalisch ein: „Sag mir wo die Blumen sind“, „Quando-quando“, „Am Tag als der Regen kam“ und andere Lolita-Songs, mal Jazz, mal Rock’n’Roll, mal Heim- und Fernweh-Melodien - eben alles und noch viel mehr, was die hundert Jahre musikalisch zu bieten hatten.

Ergänzend gab es eine Kostümschau, bei der sich die kfd-Frauen beinahe jedesmal selbst übertrafen: Trümmerfrau, Charleston-Girl, Minirock-Girl, die erste Tagesschausprecherin, Petticoat, das Ata-Girl, das gleich loszulegen schien. Passend zum jeweiligen Eintrittsjahr wurden dann die heutigen Jubilarinnen geehrt: für 70 Jahre Erna Biermann, für 55 Jahre Agnes Köhling, Maria Oginski, Paula Pahlke, Anneliese Thielmann, für 50 Jahre Gerlinde Biermann, Regina Geisler, Elisabeth Winkler, für 40 Jahre Hedwig Blaschke, Marianne Dierich, Wilhelmine Pattke, Ursula Thamm, Wilhelmine Werner, für 25 Jahre Gisela Büscher, Hertha Sobczyk, Annegret Zoch. Die Erste Vorsitzende Elisabeth Mennes überreichte ihnen zusammen mit Pfarrer Doppelfeld eine rote Rose und die Dankesurkunde.

Den ersten stellvertretenden Bürgermeister Kay Schulte wird es nicht gereut haben, daß er die Grußworte der Stadt Bergkamen erst nach dieser Zeitreise zum Besten geben durfte, denn so konnte auch er einen unvergeßlichen Nachmittag erleben.

„Sag beim Abschied leise Servus“, war denn auch das letzte Stück von Bea Nyga. Vor dem Servus gab es allerdings noch eine deftige Gulaschsuppe für die Damen, bevor es dann nach Hause ging. Doch halt! Eins hat die kfd noch: Am nächsten Freitag um 19 Uhr gibt es die Fortsetzung der Jubiläumsfeier - es folgt: „OMA MARIA oder DIE ERSTE GEIGE“ ein EinPersonenStück über FünfFrauenGenerationen von und mit Sophia Altklug. Der Eintritt ist frei. Eingeladen sind alle Frauen Bergkamens. Verkleidete Männer haben keinen Zutritt!

Sophia Altklug läßt 100 Jahre Frauen-Emanzipation Revue passieren
Nachdenklich stimmender Abschluß des 100-jährigen Jubiläums der kfd St. Elisabeth

Bergkamen  Wer kann das schon? Mal so einfach die Zeit zurückdrehen, wenn man es nur möchte? Mariechen auf der Bühne gelang es, indem sie flink ihre Sanduhr umdrehte. So konnte sie nun ihrem Teddy erzählen, wie es kam, daß gerade sie in den Besitz der abgegriffenen alten Geige gekommen ist, die so gar nicht in das von Spielsachen überquellende Kinderzimmer irgendwo in der heutigen Zeit paßte, und die zuallererst der Oma Maria gehörte.

Eigentlich sollte Oma Maria, fünf lange Generationen vor Mariechen, das Klavierspielen erlernen, wie es sich damals für alle jungen Frauen schickte, um damit ihre Männer zu ‚erquicken’. Doch Violine wäre ihr viel lieber gewesen, denn die war der Hit zu Zeiten des Kaiserwalzers. In Gedanken träumte Maria davon, nach vollendetem erfolgreichen Musikstudium in der feinen Gesellschaft die erste Geige spielen zu dürfen. Aber mangels Geld platzte dieser Traum, und es blieb ihr nichts anderes übrig, als in den kommenden 50 Jahren nur in der Ehe die erste Geige zu spielen. Die Geige vererbt sie indes an ihre Tochter, der es wenigstens gelingt, in den Goldenen Zwanzigern die neuen Freiheiten der emanzipierten Frau zu nutzen - bis die Nazis ein neues ideales Frauenbild schaffen.

Sophia Altklug, alias Kristin Kunze, vor zehn Jahren noch praktizierende Zahnärztin, unternimmt in ihrem Bühnenstück „Oma Maria - oder die Erste Geige“ diese Zeitreise auf der Bühne - allein. Denn sie spielt alle fünf Frauengestalten in den jeweiligen Generationen selbst. Die Namen der Frauen ändern sich zwar geringfügig, von Maria, über Marie und Marie Christine, zu Marie Anne bis zum kleinen Mariechen. Aber allen ist gleich, daß die jungen Mädchen zu allen Zeiten ihre Träume und Ideale hatten, eben irgendwie die erste Geige spielen zu dürfen und sich mehr oder weniger zu emanzipieren versuchen. Doch eine sich verändernde Gesellschaft, verweigert ihnen diese Chance oder zeigte sie erst gar nicht auf, und wenn die Frauen die erste Geige spielen durften, dann eben nicht dort, wo sie’s eigentlich wollten.

So wie in den 70er und 80ern, wo die egomanischen Rudi, Oskar und Gerhard aus den politischen Eiern schlüpften, wo gegen alles und nichts bis hin zur Erschöpfung demonstriert und diskutiert wurde, und es Marie Christine schließlich reichte. Von der Erfolglosigkeit ihres Tuns desillusioniert, wollte sie wenigstens in ihrem Bauernhäuschen auf dem Lande bei ihren Hühnern und Gurken die erste Geige spielen. Marie Anne hingegen kann mit den Begriffen wie Frauenbewegung und Demonstration gar nichts mehr anfangen. Ihr sind das eigene Ich und eine Spaßgesellschaft, in der jeder für sich allein die erste Geige spielt, am wichtigsten. Nur Mariechen hingegen scheint zu den alten Träumen und Werten, symbolisiert von der ererbten Geige, zurückzufinden. Denn wenn sie mal groß ist, möchte sie ein Kind haben: „... das Maria heißt und - Geigen bauen!“

„Wenn ich mal nicht Theater spiele“, so Kristin Kunze im Anschluß an ihre Darbietung in der Diskussion vor den kfd Frauen „mache ich bei Projekten der Entwicklungshilfe mit. Und irgendwie ist Theaterspielen ja auch eine Art Entwicklungshilfe...“

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Stand: 25.05.06